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DAX-Top-Gewinner Bayer Aktie: Prognose erhöht - Warum Analysten trotzdem gespalten sind 01.08.2025
aktiencheck.de
Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) - Bayer überrascht mit Umsatzplus - doch Rechtsrisiken drücken auf die Stimmung
Die Bayer-Aktie (ISIN: DE000BAY0017, WKN: BAY001, Ticker-Symbol: BAYN, NASDAQ OTC-Symbol: BAYZF) legt am Freitag deutlich zu: Am Mittag geht es um satte 4,6 % auf 28,60 Euro. Grund für die plötzliche Euphorie: Das Pharma- und Agrarchemieunternehmen hat seine Prognosen für das laufende Jahr angehoben. Doch gleichzeitig wurden neue Milliardenrückstellungen für US-Rechtsstreitigkeiten bekannt – ein ambivalentes Signal an die Börse.
Prognose angehoben – das steckt dahinter
Bayer hebt seine währungsbereinigten Prognosen für das Gesamtjahr 2025 an – und das trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und einem anhaltenden Rechtsstreit in den USA:
- Umsatz: 46–48 Mrd. € (zuvor 45–47 Mrd. €) - EBITDA vor Sondereinflüssen: 9,7–10,2 Mrd. € (zuvor 9,5–10,0 Mrd. €) - Ergebnis je Aktie: 4,80–5,30 € (zuvor 4,50–5,00 €) - Free Cash Flow: 1,5–2,5 Mrd. € (unverändert) - Nettofinanzverschuldung: 31–32 Mrd. € (unverändert)
In der Sparte Pharmaceuticals wird nun mit einem Umsatzwachstum von 0–3 % gerechnet (zuvor: -4 bis -1 %), die Marge liegt bei 24–26 %. Für Consumer Health erwartet man nun ein Wachstum am unteren Rand der Bandbreite (2–5 %), Crop Science bleibt auf Kurs.
Währungseffekte schlagen jedoch negativ zu Buche – sie senken den Umsatz um rund 2 Mrd. €, das EBITDA um 500 Mio. €, das EPS um 0,35 €.
Geschäftszahlen Q2: Licht und Schatten
Der Konzernumsatz lag im zweiten Quartal bei rund 10,7 Mrd. €.
- Crop Science wuchs um 2,2 % - Pharmaceuticals um 0,6 % - Consumer Health um 0,2 %
Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag bei 2,1 Mrd. €.
- Crop Science trug 0,7 Mrd. € bei - Pharma 1,1 Mrd. € (leicht rückläufig) - Consumer Health 0,3 Mrd. € (leicht über Vorjahr)
Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg auf 1,23 €, der Free Cash Flow lag bei 0,1 Mrd. €, die Nettofinanzverschuldung bei 33,3 Mrd. €.
Sondereinflüsse im EBIT beliefen sich auf -1 Mrd. €, hauptsächlich durch neue Rückstellungen: - Glyphosat: +1,2 Mrd. € Rückstellungen - PCB: +530 Mio. €
US-Rechtsrisiken bleiben Belastungsfaktor
Die offenen Glyphosat-Klagen wurden durch einen neuen Vergleich auf 61.000 reduziert (von insgesamt 192.000 angemeldeten Fällen). Doch allein in Q2 bildete Bayer Rückstellungen von 1,7 Mrd. € für Glyphosat und PCB.
Besonders kritisch: Im Fall "Anderson et al." wurde ein negatives Berufungsurteil gefällt. Bayer prüft derzeit weitere Rechtsmittel. Für das Sky Valley Education Center in Washington drohen ebenfalls weitere Belastungen – ein Entscheid des Supreme Court steht aus.
Die neuen Rückstellungen könnten das EBITDA für 2025 mit bis zu 3,5 Mrd. € belasten (zuvor max. 1,5 Mrd. € erwartet).
Chancen der Bayer-Aktie
- Angehobene Prognose trotz Gegenwind zeigt operative Stärke - Starkes Pharma-Segment, vor allem durch Eylea-Nachfolger und Nubeqa - Kostendisziplin und wachstumsorientierte Strukturprogramme - Potenzial im Agrarbereich** durch Innovationspipeline bei Crop Science
Risiken der Bayer-Aktie
- Rechtliche Unsicherheiten in den USA mit schwer kalkulierbarem Ausgang - Hohe Nettofinanzverschuldung von über 33 Mrd. € - Währungseffekte drücken auf Margen und Ergebnis - Marktwachstum bei Consumer Health verlangsamt sich
Aktuelle Analystenstimmen zur Bayer-Aktie (Stand: 31. Juli 2025)
James Quigley (Goldman Sachs) mit dem höchsten Ziel: 34 € (+18,53 % Upside). Quigley sieht operative Fortschritte und erwartet eine Entspannung bei den Rechtsrisiken.
Christian Faitz (Kepler Capital) gibt ein Ziel von 33 € aus (+15,04 % Upside) und verweist auf das starke EBITDA und Margenverbesserung bei Pharma.
Rajesh Kumar (HSBC) sieht 32 € als Ziel (+11,56 % Upside) und glaubt an eine Stabilisierung im Crop-Segment.
Florent Cespedes (Bernstein) bleibt bei 30 € (+4,58 % Upside), mahnt aber zur Vorsicht bei weiteren Rückstellungen.
Colin White (UBS) bleibt bei 24 € (-16,33 % Downside), sieht das Risiko durch Rechtsfälle überwiegen.
Richard Vosser (J.P. Morgan) stuft die Aktie mit 25 € ein (-12,85 % Downside), zweifelt an der Nachhaltigkeit der Prognoseerhöhung.
Charles Bentley (Jefferies) bleibt mit 25 € konservativ (-12,85 % Downside), Rechtsrisiken seien nicht ausreichend eingepreist.
Emily Field (Barclays) nennt ebenfalls 25 € als Kursziel (-12,85 % Downside), verweist auf den geringen Cash Flow.
Aron Ceccarelli (Berenberg Bank) liegt bei 26 € (-9,36 % Downside), glaubt aber an langfristiges Erholungspotenzial.
Vincent Andrews (Morgan Stanley) sieht nur 28 € als fair (-2,39 % Downside), verweist auf Unsicherheit im Konsumgüterbereich.
Peter Spengler (DZ BANK) rät zum Kauf, Ziel offen. Fokus liegt auf möglicher Trendwende.
Fazit: Bayer – ein Konzern zwischen Hoffnung und Hypothek
Bayer überrascht mit starken operativen Zahlen und angehobener Prognose – ein klares Signal für Stabilisierung. Doch die Rechtsrisiken, allen voran Glyphosat, lasten schwer auf dem Papier. Der Kursanstieg auf 28,60 Euro zeigt: Der Markt honoriert Fortschritte, bleibt aber skeptisch.
Anleger mit langem Atem könnten belohnt werden – wenn Bayer seine Rechtsrisiken unter Kontrolle bringt. Doch wer schwache Nerven hat, sollte vor dem Einstieg noch ein paar US-Urteile abwarten.
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Autor: Redaktion, aktiencheck.de
Veröffentlicht am: 1. August 2025
Disclaimer
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien unterliegen Risiken, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für etwaige Entscheidungen auf Basis dieses Artikels. (01.08.2025/ac/a/d)
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